Steuern im Fernsehen

Steuern sind hip. So hip, dass sie selbst im Fernsehen eine tragende Rolle spielen. Zugegeben, das allein verleiht bei den immer neuen Niederungen des (deutschen) Privatfernsehens noch kein Qualitätssiegel. Die Vielfältigkeit an Einsatzmöglichkeiten von Steuern im Fernsehen dürfte aber selbst manchen Experten noch überraschen. Eine kleine Rollenauswahl:

Der Erklärbär
So kann man sich Steuern im Fernsehen wohl noch am ehesten vorstellen. Dem Zuschauer wird etwas über Steuern erklärt. Selbsternannte oder tatsächliche Steuerexperten verdeutlichen dem geneigten Publikum die komplexe Materie. Das reichte sogar mal für eine Sendung nur über Steuern. Unter dem Titel „Die neuen Steuern“ wurde der Bevölkerung der neuen Bundesländer zwischen Oktober und Dezember 1990 das „westdeutsche“ Abgabensystem erklärt. Fünf Ausgaben, immer samstagnachmittags für 45 Minuten. Man kann sich die Begeisterung auf den Ost-Sesseln und -Sofas bildhaft vorstellen. Immerhin gabe es einen Eintrag im Fernsehlexikon.

Des Rätsels Lösung
True Detective – von vielen Experten und Zuschauern als das Maß der Dinge in Sachen aktueller Fernsehunterhaltung bewertet. State of the art für die Anglophilen (oder Anglomanen). Matthew McConaughey und Woody Harrelson ermitteln in einem verzwickten Fall. Den entscheidenden Hinweis liefert schließlich ein Steuerbescheid. Denn der Täter führte als Unternehmer (nach deutschem Verständnis) haushaltnahe Dienstleistungen aus, deren Abrechnungen vom kostenbewussten Hausbesitzer beim Finanzamt eingereicht wurden. Das lieferte schließlich Name und Adresse des Schurken – derart cool dürfte eine Steuererklärung selten gewesen sein.

Der Lottogewinner
Nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera spielen Steuern im TV-Business teilweise eine gewichtige Rolle. Eine besondere Kuriosität (zumindest aus deutscher Sicht) existiert dabei in den USA: die Tax Lottery. Im Wettbewerb um die großen (und so vor allem Arbeitsplätze vor Ort schaffenden) Produktionen werben die einzelnen Bundesstaaten mit Steuergutschriften. Voraussetzung: die Film- oder Fernsehproduktion muss vor Ort aktiv werden und die geschätzte Höhe qualifizierter Ausgaben anmelden. Da die Zahl der Anträge regelmäßig das zur Verfügung gestellte Budget überschreitet, werden die Gutschriften per Lotterie ausgespielt. Eine Auswahl der Gewinner in Kalifornien 2014: Teen Wolf“ ($ 11,5 Milo.), „Rizzoli & Isles“ ($ 8,9 Mio.), „Pretty Little Liars“ ($ 8,4 Mio.), „Major Crimes“ ($ 7,9 Mio.), „Justified“ ($ 6,6 Mio.), „Perception“ ($ 5,9 Mio.), „Switched at Birth“ ($ 5,8 Mio.).

Die Drohung
Und wer nicht auf den Zuspruch der Lottofee vertrauen will, nimmt einen eher direkten Weg: Ganz in Frank Underwood-Manier drohte die Produktionsfirma von House of Cards im Frühjahr mit einem Drehortwechsel, sollte bei den Steuererleichterungen nicht nochmal kräftig nachgebessert werden. Mit Erfolg: Statt $ 7,5 Mio. gab es § 18,5 Mio. für die Erstellung der dritten Staffel. Bei mehreren tausend gesicherten Arbeitsplätzen vielleicht ein verschmerzbares Opfer.

Der Wohlfühlfaktor
Steuern als Wohlfühlfaktor: was zunächst wie ein schlechter Scherz anmutet, hat sich der US-Softwareriese Intuit für seine Steuererklärungssoftware TurboTax auf die Marketingfahne geschrieben. Und das offenbar erfolgreich. Mit der Aussicht auf eine verdiente Steuererstattung als Thema wurde 2014 gar ein Super Bowl-Werbespot lanciert. Love Hurts – Liebe tut weh. Ganz anders als die Steuererstattung mit TurboTax.

Dem Spot ging mit „The year of the you“ ein Werbefilmchen voraus, welches nicht weniger emotional daherkommt.

Man sieht: Steuern können bleibende Eindrücke hinterlassen, gleichermaßen vor wie hinter der Kamera. Und das gilt natürlich nicht nur für den „kleinen“ Fernsehschirm. Demnächst im Steuernblog: Steuern im Kino.

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