Crowdinvesting für Immobilien: Anlagealternative in der Niedrigzinsphase?

Immobilienprojekte werden typischerweise mit Bankenkrediten finanziert. Für die Geldgeber ist das Risiko aufgrund der geschaffenen Werte vergleichsweise gering, zudem sorgt ein Immobilienboom in vielen beliebten Innenstädten Deutschlands für stark steigende Preise und lukrative Mieteinnahmen. Allein zwischen 2004 und 2016 stiegen die Mieten in Köln um 56 %, in Berlin gar um 115 %. Durchschnittlich 8 % betrug die Steigerung allein im letzten Jahr. Während die Banken am Immobiliengeschäft gut verdienen, gibt es für private Investoren nur wenige Möglichkeiten, an diesen Einkommen teilzuhaben. Das sogenannte Crowdinvesting könnte deshalb zunehmend interessant werden.

Crowdfunding oder Crowdinvesting?

Der ähnliche Begriff Crowdfunding hat es bereits zu einiger Bekanntheit geschafft: innovative Projekte, die von Fans und potentiellen Kunden gefeiert werden, lassen sich so durch eine kleine Spende unterstützen. Im Gegenzug bringt das Unternehmen das notwendige Kapital auf, um das Projekt auch tatsächlich zu realisieren. Außerdem bekommen Spender das neue Produkt zumeist als erste und zu einem vergünstigten Preis. Beim Crowdinvesting sollte der dem Crowdfunding ähnlich klingende Begriff nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rendite im Vordergrund steht. Die Gemeinsamkeit liegt darin, dass die Finanzierungssumme von einer Vielzahl kleinerer privater Geldgeber gestemmt wird, die sich zusammenschließen. In Hinblick auf den Immobilienmarkt liegt der Vorteil darin, dass Zugang verschafft wird zu prestigeträchtigen Großprojekten. Wer privat in Immobilien investieren wollte, musste bisher Immobilienfonds nutzen, an denen die Banken allerdings kräftig mitverdienen. Zudem sorgt die Verteilung der eingesetzten Finanzmittel auf mehrere Projekte zwar für eine Streuung des Risikos, aber eben auch für eine Minderung der potentiellen Rendite.

Hohe Rendite bei niedrigem Kapitaleinsatz

Durch Crowdinvesting ist es nun ganz einfach online möglich, in ein bestimmtes Bauprojekt zu investieren – wenngleich nicht ohne Risiko: scheitert das Bauvorhaben, droht der Totalausfall. Portale wie Exporo.de kategorisieren die Projekte deshalb nach Risikoklassen, sodass auch weniger versierte Anleger einschätzen können, wie hoch das tatsächliche Verlustrisiko ausfällt. Der Vorteil dabei liegt in der hohen Rendite, die üblicherweise durchaus um 5 % beträgt, in einigen Fällen wird gar die Marke von 6 % überschritten. Zudem sind hohe Anlagesummen nicht notwendig, einige Anbieter erlauben gar Investitionen ab fünf Euro. Fachleuten zufolge ist es allerdings auch keinesfalls empfehlenswert, viel Kapital durch Crowdinvesting anzulegen. Aufgrund Verlustrisikos könnte eine Altersvorsorge schnell verspielt sein. Anleger sollten einen Verlust im Zweifel verkraften können.

Crowdinvesting verbessert Bonität

Für die Kreditnehmer ist Crowdinvesting ohnehin interessant. Denn weil es sich nicht um abgesicherte Kredite handelt, drohen bei einer möglichen Insolvenz auch keine schwerwiegenden Folgen – die Darlehen werden nachrangig bedient. Aus diesem Grund wird das durch Crowdinvesting eingesammelt Kapital als Eigenkapital betrachtet. So lässt sich dieses Kapital nicht nur nutzen, um das Bauvorhaben voranzutreiben, sondern auch um die eigene Bonität zu verbessern.

Wachstum erwartet

In den USA hat sich Crowdinvesting bereits als ernst zu nehmende Alternative zu konventionellen Finanzierungsmodellen entwickelt, das Umsatzvolumen steigt Jahr für Jahr. In Anbetracht der dauerhaft niedrigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt ist auch in Deutschland damit zu rechnen, dass Crowdinvesting zunehmend beliebter wird. Sofern ein Projekt positiv abgeschlossen wird, überwiegen für alle Beteiligten tatsächlich die Vorteile – auch im Immobilienmarkt lässt sich gemeinsam mehr erreichen.

 

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