Binäre Optionen: Gewinne richtig versteuern

Wer als deutscher Steuerbürger mit Binären Optionen Gewinne erzielt, muss diese versteuern. Sie unterliegen der deutschen Abgeltungssteuer von 25 % + Solidaritätsbeitrag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Der Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro pro Person (1.602 Euro bei gemeinsam veranlagten Paaren, Stand: Anfang 2017) kann abgezogen werden. Die Besonderheit bei der Steuer auf Gewinne mit Binären Optionen besteht darin, dass die Broker überwiegend ihren Sitz im Ausland haben (hier eine Übersicht der bekanntesten Binäre Optionen Broker) und der Trader daher selbst für die Abführung der Steuer verantwortlich ist. ​

Die Abgeltungssteuer als Quellensteuer​

Die Abgeltungssteuer auf Gewinne aus Kapitalanlagen ist in Deutschland eigentlich eine Quellensteuer. Wer bei inländischen Banken oder Brokern solche Gewinne erzielt, muss sich um nichts weiter kümmern als um die Meldung seines Sparer-Pauschbetrages an die jeweilige Bank. Dieser Freibetrag kann auch auf Anlagen bei mehreren Banken aufgeteilt werden. Ansonsten führen die Bank oder der Broker mit Sitz in Deutschland die Abgeltungssteuer als Quellensteuer anonym an das Finanzamt ab. Dieses generiert damit diese Art von Steuern an der Quelle ihrer Entstehung – daher die Bezeichnung “Quellensteuer”. Es gibt weitere Quellensteuern, beispielsweise die Lohnsteuer von Arbeitnehmern, die auch der Arbeitgeber als Quelle der Entstehung an das Finanzamt abführt. Für Kapitalanleger hat das den Vorteil, dass sie sich weder um die Berechnung noch um die Meldung der Steuer kümmern müssen. Es steht ihnen frei, ihre Kapitalgewinne in der Einkommensteuererklärung anzugeben, weil das
manchmal vorteilhaft ist. Wenn sie es unterlassen, ist das vollkommen rechtskonform. Beim Trading auf einer ausländischen Plattform – so das Hauptszenario beim Binärhandel – muss sich der Anleger hingegen um seine Steuern kümmern.​

Angabe der Kapitalerträge in der Steuererklärung​

Trader geben also ihre Gewinne in der Einkommensteuererklärung – Anlage KAP – an und erhalten dann vom Finanzamt einen Bescheid über die zu entrichtende Steuer. Dabei zählt nur der Reingewinn aus allen Derivategeschäften. Gewinne und Verluste können gegeneinander für das vergangene Jahr verrechnet werden, einen Verlustvortrag für kommende Jahre gibt es nicht. Derivate werden als eigene Anlageklasse behandelt. Das bedeutet, wer mehrere Trading-Konten führt und beispielsweise bei einem inländischen Broker Verluste beim Handel mit Knock-outs realisiert hat, beim ausländischen Binärbroker hingegen Gewinne einfahren hat, darf die inländischen Derivateverluste gegenrechnen. Verluste aus anderen Geschäften hingegen können nicht gegen Tradinggewinne verrechnet werden. Das betrifft auch Aktiengeschäfte und erst recht vollkommen andere Geschäfte wie etwa ein Gewerbe.
​Achtung: Der Verlustvortrag aus Derivategeschäften ist erst seit 2014 nicht mehr möglich. Es kursieren dementsprechend noch anderslautende Informationen, die aber veraltet sind. Aktuell – Anfang 2017 – können nur noch Gewinne und Verluste aus Derivategeschäften des entsprechenden Steuerjahres gegeneinander verrechnet
werden.

Höhe der Steuern​

Die genaue Höhe der Kapitalertragssteuer ergibt sich aus der Kirchensteuer. Deren Hinzurechnen unterliegt ebenso wie der Einbezug des Solidaritätszuschlages relativ komplexen Formeln. Im Ergebnis beträgt die Kapitalertragssteuer​

– 26,3750 % ohne Kirchensteuer,
– 27,8186 % bei 8 % Kirchensteuer und
– 27,9951 % bei 9 % Kirchensteuer.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine steuerliche Beratung dar. Trader sollten sich auch steuerlich zu ihren Gewinnen auf Binäre Optionen beraten lassen. Das empfiehlt sich wenigstens einmalig nach den ersten Gewinnen.

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