Wie zukunftsversprechend sind neue Geschäftsideen?

Teil 3: Crowdfarming oder „Ich habe einen Orangenbaum in Spanien“

Weiter geht es in dieser Rubrik mit einem neuen Selbstversuch. Fangen wir von Anfang an. Eines Tages las ich einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung von Crowdfarming in Spanien. Sehr viele deutsche Kunden waren Eigentümer eines Orangenbaums in Spanien und erhalten im Gegenzug dafür eine festgelegte Menge an Orangen geliefert. Klingt gut, dachte ich. Also: Ausprobieren.

Ich bestellte mir einen Orangenbaum. Dieser wurde gepflanzt, wie mir per Mail mitgeteilt wurde. Dafür kann ich nun 80 Kilo Orangen pro Jahr bestellen. Eine große Menge, aber warum auch nicht. Ich bezahlte nun pro Jahr einen festen Betrag für die Pflege meines Baumes und dann bei Bestellung die Versandkosten. Allerdings sind die Bestellgrößen recht umfangreich.

Da die Orangen erst im Januar reif sind, konnte ich im ersten Jahr Mandarinen bestellen. Gesagt, getan. Per Mail wurde ich informiert, dass sich die Ernte aufgrund des Wetters etwas verzögert und ich etwas länger auf meine Mandarinen warten müsste. Kein Problem.

Kurze Zeit später lieferte der Postbote das Paket mit Mandarinen. Er wunderte sich, dass jemand so etwas bestellt. „Gibt es ja schließlich ja auch bei uns.“ Nun ja, er hat Recht. Das gibt es auch im Supermarkt. Nur wird eben ein Glied in der Kette ausgeschlossen. Denn die Ware kommt direkt von Spanien zu mir, ohne Zwischenhändler. Die Mandarinen hatten verschiedene Größen. Schön! So ist die Natur. Im Supermarkt hätte ich nur die „Einheitsgröße“ bekommen. Die Mandarinen schmeckten köstlich. So gab es einfach die nächsten Tage und Wochen Mandarinen.

Für einen kleinen Haushalt ist die Menge möglicherweise etwas viel. Allerdings kann man sich ja auch mit Nachbarn zusammenschließen.

Ist die Sache vertrauenswürdig oder werde ich als gutgläubige Konsumentin ausgenutzt? Der Artikel in der Süddeutschen Zeitung schien seriös. Auch deswegen, weil viele Deutsche Kunden sind und ihren Baum schon besucht haben. Das kann ich irgendwann auch mal machen: Meinen Orangenbaum besuchen. Er hat schließlich auch einen Namen bekommen.

 

Fazit: Eine tolle Sache, wenn man den Versprechen glaubt (und sich möglicherweise selbst davon überzeugt). Man bekommt ein Gespür dafür, wann die Früchte reif sind und hat vor allem nicht die Einheitsgrößen. Denn Früchte wachsen schließlich nicht nur in den Größen, wie es die EU beschlossen hat. Natur ist Natur. Weg von der Einheitsgröße hin zu Geschmack.

Lesen Sie dazu auch:

Teil 1: Geschäftsidee Kochbox-Versand im Selbsttest

Teil 2: Outfittery für Frauen

 

Speak Your Mind

*

*