Forschung und Entwicklung im HGB: Was muss beachtet werden?

Das Aktivierungswahlrecht für selbst erstellte immaterielle Vermögensgegenstände gibt es im HGB erst seit wenigen Jahren. Bei der letzten großen HGB-Reform wurde es eingeführt. Damit sollte eine Annäherung an die internationale Rechnungslegung nach IFRS erfolgen. In diesem Artikel soll beleuchtet werden, welche Punkte bei der Inanspruchnahme des Aktivierungswahlrechtes beachtet werden müssen.

Bei selbst erstellten immateriellen Vermögensgegenständen muss zwischen Forschungs- und Entwicklungskosten differenziert werden. Lediglich die Entwicklungskosten dürfen als Bestandteil der Herstellungskosten aktiviert werden (§ 248 Abs. 2 S. 1 HGB i.V.m. § 255 Abs. 2a S. 1,4 HGB. Durch die Aktivierung der Entwicklungskosten werden im Jahr der Aktivierung geringere Aufwendungen und damit ein höherer Gewinn ausgewiesen.

Für aktivierte Entwicklungskosten gilt eine sog. Ausschüttungssperre (§ 268 Abs. 8 HGB). Demnach muss der Gewinn um die Höhe der aktivierten Entwicklungskosten gekürzt werden. Das Ergebnis hieraus ist der Betrag, der maximal ausgeschüttet werden darf. Damit soll eine zu hohe Ausschüttung verhindert werden.

Im Anhang des Jahresabschlusses müssen der Gesamtbetrag der Forschungs- und Entwicklungskosten des Geschäftsjahres sowie der davon aktivierte Betrag angegeben werden (§ 285 Nr. 22 HGB). Im Lagebericht ist ein Bericht über Forschung und Entwicklung erforderlich (§ 289 Abs. 2 Nr. 2 HGB).

In der Steuerbilanz besteht für Entwicklungskosten weiterhin ein Aktivierungsverbot gem. § 5 Abs. 2 EStG. Die entstandenen Ausgaben müssen im Jahr ihrer Entstehung in der Steuerbilanz als Aufwand erfasst werden. Sofern ein Unternehmen das Aktivierungswahlrecht für selbst erstellte immaterielle Vermögensgegenstände in Anspruch nimmt, wird in diesem Fall das Maßgeblichkeitsprinzip durchbrochen. In diesem Fall entstehen passive latente Steuern, da der steuerliche Gewinn geringer ist als der handelsrechtliche Gewinn. Mit Ausnahme der kleinen Kapitalgesellschaften (§ 274a Nr. 4 HGB) besteht eine Aktivierungspflicht für passive latente Steuern gem. § 274 Abs. 1 S. 1 HGB. Passive latente Steuer bedeutet nichts anderes als eine Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzamt (in der Zukunft).

 

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