Latente Steuern – Was ist das?

Latente Steuern entstehen durch den Unterschied von Wertansätzen in der Handels- und Steuerbilanz. Grundsätzlich sind die Wertansätze in der Handelsbilanz maßgeblich für die Steuerbilanz. Allerdings gibt es bei einzelnen Regelungen Unterschiede. So gilt für Entwicklungskosten nach dem HGB ein Aktivierungswahlrecht, in der Steuerbilanz besteht dafür jedoch ein Aktivierungsverbot. Durch solche Regelungen kommt es zu unterschiedlichen Wertansätzen in Handels- und Steuerbilanz.

Man spricht von aktiven latenten Steuern, sofern es sich um eine zukünftige Steuerentlastung handelt. Passive latente Steuern entstehen, sofern mit einer zukünftigen Steuerbelastung zu rechnen ist.

Wie entstehen latente Steuern?

Aktive latente Steuern entstehen, wenn der Wertansatz in der Steuerbilanz höher ist als in der Handelsbilanz. Für aktive latente Steuern besteht ein Aktivierungswahlrecht in der Handelsbilanz.

Aktive latente Steuern können beispielsweise in den folgenden Fällen entstehen:

  • Der Geschäfts- oder Firmenwert wird in der Handelsbilanz über zehn Jahre abgeschrieben, in der Steuerbilanz jedoch über 15 Jahre. Demzufolge ist der Abschreibungsbetrag in der Steuerbilanz geringer als in der Handelsbilanz und der Steuerbilanzgewinn höher als der Handelsbilanzgewinn.
  • In der Handelsbilanz können Finanzanlagen auch bei einer voraussichtlich vorübergehenden Wertminderung außerplanmäßig abgeschrieben werden (§ 253 Abs. 3 S. 6 HGB). In der Steuerbilanz besteht in diesem Fall ein Abschreibungsverbot. In diesem Beispiel entstehen dann aktive latente Steuern, wenn in der Handelsbilanz das Abschreibungswahlrecht in Anspruch genommen wird. Durch die nicht vorgenommene Abschreibung in der Steuerbilanz ist der Steuerbilanz auch hier höher als der Handelsbilanzgewinn. Hier kommt es zu einer sog. Durchbrechung des Maßgeblichkeitsprinzip.

Passive latente Steuern entstehen, wenn der Wertansatz in der Steuerbilanz geringer ist als in der Handelsbilanz. Für passive latente Steuern besteht eine Passivierungspflicht in der Handelsbilanz.

Passive latente Steuern können beispielsweise im folgenden Fall entstehen:

  • In der Handelsbilanz werden selbst erstellte immaterielle Vermögensgegenstände aktiviert. Da die Steuerbilanz hier ein Aktivierungsverbot vorsieht, werden die entstandenen Ausgaben in der Steuerbilanz als Periodenaufwand erfasst. Somit ist der Handelsbilanzgewinn höher als der Steuerbilanzgewinn.

Wie werden latente Steuern im Jahresabschluss ausgewiesen?

Es gibt folgende Möglichkeiten zum Ausweis latenter Steuern in der Bilanz:

  1. Bruttoausweis
  2. Nettoausweis
  3. kein Ausweis

Beim Bruttoausweis werden sowohl die aktiven als auch die passiven latenten Steuern in der Bilanz ausgewiesen, ohne dass diese saldiert werden.

Beim Nettoausweis hingegen erfolgt die Saldierung der aktiven und passiven latenten Steuern. Somit wird lediglich der Differenzbetrag zwischen den beiden ausgewiesen.

Kein Ausweis kann dann erfolgen, sofern sich als Saldo eine aktive latente Steuer, also eine zukünftige Steuerentlastung ergibt und diese nicht in der Bilanz ausgewiesen wird (§ 274 Abs. 2 S. 1 HGB).

Beim Ausweis von latenten Steuern gibt es Ausnahmen. So müssen beispielsweise lediglich mittelgroße und große Kapitalgesellschaften (§ 267 HGB) latente Steuern ermitteln. Kleine Kapitalgesellschaften und Kleinst-Kapitalgesellschaften (§ 267, § 267a HGB) sind von dieser Pflicht befreit.

 

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