Gemeinschaftskonto: Was passiert im Erbfall?

Wenn Paare sich für ein Gemeinschaftskonto entscheiden, dann bevorzugen sie meist das Oder-Konto. Dies bedeutet, dass beide Partner eigenständig über das Guthaben verfügen dürfen. Doch was passiert, wenn einer der Partner verstirbt?

Der Tod eines Partners löst nicht nur tiefe Trauer aus. Die Hinterbliebenen müssen sich auch um die finanziellen Angelegenheiten des Verstorbenen kümmern.

Das Guthaben wird aufgeteilt
Verstirbt einer der beiden Inhaber des Oder-Kontos, darf der andere Kontoinhaber über die Hälfte des Guthabens verfügen. Die zitierte Regelung beruht auf der Annahme, dass beiden Partnern jeweils die Hälfte des Geldes gehört. Dabei wird nicht berücksichtigt, wie viel jeder Partner tatsächlich auf das Konto eingezahlt hat.

Diese Regelung kann den überlebenden Partner in Bedrängnis bringen, wenn zum Beispiel

•    anstehende Ausgaben bestritten werden sollen,
•    er selbst nicht über genügend eigenes Einkommen verfügt oder
•    Streitigkeiten mit den Erben zu befürchten sind.

Doch die Partner haben Möglichkeiten, diese Regelung außer Kraft zu setzen. Dafür reicht eine gemeinsame Erklärung gegenüber der Bank aus. Sie besagt, dass dem überlebenden Kontoinhaber das gesamte Guthaben gehört.

Diese Erklärung hat noch eine andere Auswirkung: Die Erben des Verstorbenen haben keinen Zugriff auf das Guthaben. Dieses fällt als „Schenkung auf den Todesfall“ dem Überlebenden  zu und wird damit von der Erbmasse ausgeschlossen. Über die individuellen steuerlichen Auswirkungen der Schenkung auf den Todesfall gibt der Steuerberater Auskunft.

Die andere Möglichkeit bietet das Testament: Hier können die Partner regeln, wie mit dem Gemeinschaftskonto zu verfahren ist, wenn einer der Partner verstirbt. Wenn keine Regelung getroffen wurde, kommen die Erben ins Spiel.

Die Rechte der Erben
Die Erben treten an die Stelle des verstorbenen Kontoinhabers. Das bedeutet, dass die Hälfte des Guthabens unter ihnen aufgeteilt wird. Das ist jedoch nicht Aufgabe der Bank, sondern des Testamentvollstreckers.

Es gibt auch Fälle, in denen ein oder mehrere Mitglieder der Erbengemeinschaft verhindern wollen, dass der überlebende Kontoinhaber über die Hälfte des Guthabens verfügen kann. Das ist möglich, wenn der Erbe Zweifel daran hegt, dass der Überlebende Partner tatsächlich Anspruch auf die Hälfte des Guthabens hat. Allerdings muss der Erbe seinen Widerruf nicht begründen.

Er spricht sich gegenüber der Bank gegen die alleinige Verfügungsgewalt des überlebenden Kontoinhabers aus. Dafür muss er nachweisen, dass er erbberechtigt ist. Das kann er tun durch

•    Erbschein
•    Kopie des Testaments
•    Protokoll der Testamentseröffnung beim Nachlassgericht

Dann sperrt die Bank das Konto bis zur Klärung der Angelegenheit, so dass keinerlei Verfügung möglich ist. Besonders dann, wenn die Partner nicht verheiratet waren, können Streitigkeiten mit den Erben auftreten. Unverheiratete Paare oder Ehepaare mit großer Familie lassen sich am besten schon bei der Eröffnung des gemeinsamen Kontos von einem Fachanwalt für Erbrecht beraten. Dennoch ist nicht jede Situation vorhersehbar.

Wer noch Zugriff auf das Konto hat
Hat einer der Kontoinhaber einer weiteren Person eine Kontovollmacht ausgestellt, so kann diese Person weiterhin auf das Konto zugreifen. Die Kontokarte und die Berechtigung zur Überweisung erlöschen nicht automatisch mit dem Tod eines Kontoinhabers. Diese Verfügungen sind allerdings eingeschränkt: Sie dürfen nur im Auftrag des Erblassers oder mit Einverständnis der Erben ausgeführt werden. Greift der Bevollmächtigte im eigenen Interesse auf das Guthaben zu, handelt er unrechtmäßig.

Lehnen die Erben den Bevollmächtigten ab oder hat er bereits unkorrekt gehandelt, können sie seine Kontovollmacht widerrufen. Dazu geben sie eine gemeinschaftliche Erklärung gegenüber der Bank ab.

Außer den Oder-Konten gibt es noch das Und-Konto. Hier können nur beide Partner gemeinsam auf das Guthaben zugreifen. Wie verhält es sich hier, wenn ein Kontoinhaber verstirbt?

Das Und-Konto wird von Paaren nur selten genutzt. Der Grund ist, dass es in der Praxis eher umständlich zu handhaben ist, da für jede Transaktion die Unterschrift von beiden Kontoinhabern nötig ist. Verstirbt ein Kontoinhaber des Und-Kontos, hat der Überlebende keinen Zugriff mehr auf das Konto, ehe die Erbschaft geklärt ist. Deshalb ist hier die Vorsorge noch wichtiger als beim Oder-Konto.

Wer sich grundsätzlich für die Kosten und Leistungen bei Nutzung eines Gemeinschaftskontos interessiert, kann sich online über die unterschiedlichen Anbieter informieren. Mittel übersichtlicher Aufstellung sind die Angebote der Kreditinstitute im Vergleich zu sehen.

Postmortale Vollmacht
Eine Vollmacht, die mit dem Tod einsetzt, sichert die Handlungsfähigkeit des überlebenden Partners. Diese Form der Vollmacht wird postmortale Vollmacht genannt. Idealerweise wird sie als notarielle Vollmacht ausgestellt und bei der Bank hinterlegt. Mit dem Notar kann auch besprochen werden, was noch nötig ist, um die finanzielle Sicherheit des überlebenden Partners zu gewährleisten.

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