Was hat Cannabis mit Bilanzierung zu tun?

Ermittlung der Herstellungskosten am Beispiel von Cannabis

„Tatort“: Mittwochnachmittag, Vorlesung Bilanzierung
Thema der Vorlesung: Erst- und Folgebewertung nach HGB

Ich weiß nicht mehr, wie es passiert ist: Irgendwie  sind wir in der Vorlesung auf das Thema Cannabis gekommen. Um von diesem außergewöhnlichen Exkurs wieder zur Erstbewertung und damit zur eigentlichen Vorlesung zu kommen, versuchte ich folgendes…
Stellen Sie sich vor, die Produktion von Cannabis wäre in Deutschland legal. Dann würden Unternehmen, die Cannabis produzieren würden, die fertigen und unfertigen Erzeugnisse zum Abschlussstichtag bewerten müssen.

Nehmen wir als Beispiel die Chill-Out AG. Sie hat sich auf die Produktion von Produkten, in denen Cannabis enthalten ist, spezialisiert. Zu ihrem Produktportfolie gehören unter anderem Cannabis-Eis, Cannabis-Bonbons, Cannabis-Kuchen sowie Cannabis-Kekse. Zum Jahresende des Geschäftsjahres 01 sind noch einige Vorräte auf Lager, die bewertet werden müssen.

Bei der Bewertung von fertigen und unfertigen Erzeugnissen werden in der Bilanz die sog. Herstellungskosten aktiviert. Der Verkaufspreis darf nicht angesetzt werden, da dies gegen das Realisationsprinzip gem. § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB verstoßen würde: Dieses verbietet den Ausweis noch nicht realisierter Gewinne. Ferner schreibt das Herstellungskostenprinzip des § 253 Abs.1 S.1 HGB vor, dass maximal die Herstellungskosten angesetzt werden dürfen.

Es wird zwischen dem Wertansatz zur handelsrechtlichen Wertuntergrenze und der Wertobergrenze differenziert. Sofern lediglich die Pflichtbestandteile aktiviert werden, spricht man von der handelsrechtlichen Wertuntergrenze. Als handelsrechtliche Wertobergrenze wird der Ansatz dann bezeichnet, wenn nicht nur die Pflicht-, sondern auch die Wahlbestandteile aktiviert werden.

Zu den Kosten, die aktiviert werden müssen, gehören gem. § 255 Abs. 2 S. 2 HGB die folgenden:

•    Materialeinzelkosten
•    Fertigungseinzelkosten
•    Sondereinzelkosten der Fertigung
•    Materialgemeinkosten
•    Fertigungsgemeinkosten
•    Werteverzehr des Anlagevermögens

Soll ein möglichst geringer Gewinn ausgewiesen werden, werden lediglich die Pflichtbestandteile aktiviert. Alle anderen Kosten (sog. Wahlbestandteile) werden als Periodenaufwand erfasst.

Die folgenden Kosten können als Bestandteil der Herstellungskosten gem. § 255 Abs. 2  S. 3 HGB aktiviert werden:

•    Kosten der allgemeinen Verwaltung
•    Aufwendungen für soziale Einrichtungen des Betriebs
•    Aufwendungen für freiwillige soziale Leistungen
•    Aufwendungen für betriebliche Altersvorsorge
•    Fremdkapitalzinsen (auf den Herstellungszeitraum entfallen)

Sofern ein möglichst hoher Gewinn ausgewiesen werden soll, wird zur handelsrechtlichen Wertobergrenze bewertet. Durch die Aktivierung der Wahlbestandteile wird der Aufwand in dem entsprechenden Geschäftsjahr geringer sein aufgrund der Aktivierung dieser Kosten.

Forschungs- und Vertriebskosten unterliegen gem. § 255 Abs. 2 S. 4 HGB einem Aktivierungsverbot. Demnach werden diese Kosten immer als Aufwand erfasst.

Vielen Dank an den Kurs WWI14A, der die Idee für diesen Text geliefert hat.

Dieser Text könnte Sie auch interessieren: Sind Gehirnzellen aktivierungsfähig?

Comments

  1. Hallo,

    sehr interessantes Thema. Nicht ganz alltäglich, aber daher auch so spannend. Die Frage wäre halt, inweit Cannabisprodukte dann auch angenommen werden.

    Zudem finde ich interessant, wie das Ganze sich auf eine Bilanzierung auswirkt.

Speak Your Mind

*

*