Macallan für 54.000 EUR: Wie wird die Brennerei diesen edlen Tropfen im Jahresabschluss erfassen?

Je älter der Whiskey, desto teurer: Wer einen Tropfen genießen möchte, der älter als 20 Jahre ist, muss dafür auf amazon.de ca. 450 EUR pro Liter bezahlen. Ein Macallan des Jahrgangs 1928 kostet ca. 54.000 EUR. Die 0,7 Liter des edlen Tropfens sind dafür in einer Holzkiste mit Lederriemen verpackt. Bei einem Preis pro Liter von knapp 80.000 EUR ist dies ein teurer Genuss. Darf die Whiskeybrennerei den Macallan mit 54.000 EUR in der Bilanz ansetzen?

Stellen wir uns folgenden Fall vor:
Die Whiskeybrennerei Dubeldu, die im Jahr 1900 gegründet wurde, hat 20 Flaschen des Macallan des Jahrgangs 1928 im Lager. Bei einem angenommenen Verkaufspreis könnte sie damit insgesamt Umsatzerlöse von knapp einer Million EUR erzielen. Aus Vereinfachungsgründen wird eine mögliche Alkoholsteuer weggelassen und lediglich die Umsatzsteuer wird berücksichtigt. Der Geschäftsführer der Brennerei geht davon aus, dass der Wert des edlen Tropfens weiterhin steigen wird, sofern die Flaschen noch mindestens bis 2028 gelagert werden. Er nimmt an, dass im Jahr 2028 eine Flasche Macallan für 90.000 EUR verkauft werden kann. Wie werden die 20 Flaschen Macallan im Jahresabschluss der Brennerei Dubeldu erfasst?

Lösung:
Das Realisationsprinzip des § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB verbietet den Ausweis noch nicht realisierter Gewinne. Es ist neben dem Imparitätsprinzip ein Unterprinzip des Vorsichtsprinzips im HGB. Der Gewinn wird erst dann realisiert, wenn die Whiskeybrennerei Dubeldu den Whiskey verkauft.
Wenn von den 20 Flaschen also beispielsweise im am 28.12.01 zwei verkauft werden und diese vor dem Bilanzstichtag am 31.12.01 an den Kunden geliefert werden, gilt der Ertrag als realisiert. Nicht realisiert ist der Gewinn im Jahr 01 dann, wenn die Lieferung erst nach dem Bilanzstichtag (31.12.01) erfolgt. Der Zeitpunkt der Zahlung des Rechnungsbetrags ist dabei irrelevant.
In der Bilanz darf der Whiskey bei eigener Produktion maximal mit den Herstellungskosten angesetzt werden (§ 253 Abs. 1 S. 1 HGB). Auch wenn die Herstellung bereits mehrere Jahrzehnte zurück liegt, wird sich daran nichts ändern. Während der Lagerdauer des Whiskeys besteht die Gefahr, dass dieser an Wert verliert oder durch ein Feuer zerstört wird.
Aufgrund der hohen Differenz zwischen den in der Bilanz erfassten Herstellungskosten für die 20 Flaschen Macallan und dem aktuellen Marktpreis entstehen sog. stille Reserven. Die stillen Reserven führen in diesem Fall zu einer erheblichen Unterbewertung des Vermögens der Brennerei Dubeldu.

 

Vielen Dank an meine Studierenden des Kurses WWI13B der DHBW in Lörrach. Die Idee für diesen Artikel entstand auf einer Studienfahrt in Dublin.

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