Immobilienboom durch historisch niedrige Zinsen – Fluch oder Segen?

Das Thema Immobilien ist derzeit in aller Munde – getreu nach dem Motto „Wer will noch mal, wer hat noch nicht.“ Im Moment sieht es fast so aus, also ob jeder, der einen Kredit bekommt, sich eine Immobilie kauft. Die deutsche Bevölkerung hat seit der Hyperinflation in den 1920er-Jahren panische Angst vor Inflation. Auch wenn ein Großteil der Bevölkerung die „Geldschubkarren“ nur aus dem Geschichtsunterricht kennt, ist die Furcht offenbar immer noch sehr groß. Immobilien gelten als Inflationsschutz. Dies mag korrekt sein, sofern sich der Kaufpreis in einem „angemessenen“ Rahmen bewegt. Doch was ist derzeit angemessen? Darüber scheiden sich die Geister.
Festzuhalten ist jedoch, dass trotz dem historisch niedrigen Zinssatz der Kauf einer Immobilie nicht immer lohnt. Auch wenn die Annuität, die sich aus Zins und Tilgung zusammensetzt, derzeit bei einer hohen Verschuldung bezahlbar ist – Probleme kann es auch bei der Verlängerung (Prolongation) des Kredits geben. Und diese steht je nach Kreditlaufzeit erst in 10 bzw. 15 Jahren an. Sofern die Tilgung (mindestens 1 % der Kreditsumme) sehr gering ist und keine Sondertilgungen während der Kreditlaufzeit gemacht werden, wird nach Ablauf des vertraglich festgelegten Zeitraums noch eine hohe Restschuld übrig bleiben. Dies wird dann problematisch, wenn die Zinsen bis dahin gestiegen sind und die heutige Belastung für den Kreditnehmer gerade so gestemmt werden kann.
Trotz geringer Zinsen sollten Immobilienkäufer nicht jeden Preis für die Immobilie bezahlen. Es kann möglicherweise hilfreich sein, wenn man sich bei der beratenden Bank einen Tilgungsplan zeigen lässt. Dann kann man errechnen lassen, wie hoch die verbleibende Restschuld am Ende der Kreditlaufzeit ist und wie hoch der Zinssatz dann maximal sein darf, damit man sich die Immobilie noch leisten kann.
Denn eines darf man nicht vergessen: Bevor der Immobilienkredit vollständig abbezahlt ist, werden bereits  – je nach Zustand der Immobilie bei Kauf – einige möglicherweise kostenintensive Renovierungen notwendig sein.
Fazit: Trotz der geringen Zinsen sollte man auf dem Teppich bleiben und sich nur so viel Immobilie kaufen, wie man sich auch bei einem höheren Zinssatz leisten kann.

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