Umstellung der Rechnungslegung von HGB auf IFRS

Vor- und Nachteile aus Sicht großer Familienunternehmen

Derzeit ist die Anwendung der Rechnungslegung nach IFRS nur für kapitalmarktorientierte Unternehmen verpflichtend. Da die meisten Unternehmen in Deutschland jedoch nicht börsennotiert sind (oder noch keinen Antrag dafür gestellt haben), gilt diese Pflicht nur für wenige Unternehmen.
Kurz nach dem in Kraft treten des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) 2009 hat das IASB einen eigenständigen Standard (IFRS-SMEs) veröffentlicht, um nicht-kapitalmarktorientierte Unternehmen anzusprechen. Möglich ist, dass die Anwendung des IFRS-SME als Folge der Modernisierung der 4. Und 7. EG-Richtlinie in der Zukunft ggf. verpflichtend wird.
Die freiwillige Anwendung der IFRS-Rechnungslegung hat sich bei großen Familienunternehmen noch nicht durchgesetzt. Im Folgenden werden große Familienunternehmen als solche definiert, wenn ihr Umsatz mindestens 250 Mio. EUR sowie die Bilanzsumme mindestens 20 Mio. EUR pro Jahr beträgt.
Müller/Hillebrand (2014)* haben in ihrer empirischen Studie 30 Mitgliedsunternehmen der „Vereinigung zur Mitwirkung an der Entwicklung des Bilanzrechts für Familiengesellschaften e.V.“ untersucht. Ausgewählte Vor- und Nachteile der Umstellung der Rechnungslegung von HGB auf IFRS aus Sicht dieser Unternehmen wird im Folgenden diskutiert.

Vorteile der Umstellung der Rechnungslegung von HGB auf IFRS

Sofern der Jahresabschluss nach IFRS erstellt wird, besteht die Möglichkeit einer branchen- und länderübergreifenden Vergleichbarkeit. Da die primären Adressaten der Rechnungslegung der Familienunternehmen jedoch nicht in- oder ausländische Investoren, sondern die Eigentümer bzw. die Geschäftsführung sind, dürfte dieser Vorteil für die Familienunternehmen von geringer Bedeutung sein. Die Entscheidungsnützlichkeit für Investoren stellt für weniger als ein Vierteil der befragten Unternehmen ein Zweck der Konzernrechnungslegung dar.
Der Zugang zum Kapitalmarkt sowie alternativen Finanzierungsinstrumenten sowie das externe Rating verbessern sich durch die Anwendung der IFRS-Rechnungslegung. Dieser Vorteil beim Einzelabschluss wird nur von vier der Unternehmen sowie im Konzernabschluss von elf Unternehmen der Stichprobe als relevant erachtet. Diese relativ geringe Relevanz könnte darauf zurückzuführen sein, dass Familienunternehmen oft die klassischen Finanzierungsarten einer Finanzierung am Kapitalmarkt vorziehen. Interessant wäre an dieser Stelle, die Eigenkapitalquote der betrachteten Unternehmen zu untersuchen.

Nachteile der Umstellung der Rechnungslegung von HGB auf IFRS

Die hohen Umstellungs- und Folgekosten aufgrund der hohen Komplexität der Standards ist der bedeutendste Nachteil für die untersuchten Unternehmen. Insbesondere Familienunternehmen, die nach HGB bilanzieren, scheuen sich vor den enormen Kosten. Solange die Kosten für die Umstellung höher gewichtet werden als der Nutzen aus der Umstellung, wird vermutlich weiterhin nach HGB bilanziert. Keines der Unternehmen der Stichprobe plant derzeit eine Anwendung der IFRS. Dazu sollte erwähnt werden, dass 10 % (Einzelabschluss) bzw. 45 % (Konzernabschluss) der untersuchten Familienunternehmen derzeit den Jahresabschluss nach IFRS aufstellen.
Zudem scheuen sich die Unternehmen vor den umfangreichen Anhangangaben und der Transparenz für Wettbewerber. Je mehr Angaben im Anhang gemacht werden müssen, desto mehr Informationen erhalten nicht nur Wettbewerber, sondern auch potenzielle Investoren. Da die Rolle der Investoren für die betrachteten Familienunternehmen jedoch nur von geringer Bedeutung ist, überwiegen hier die Nachteile.

Fazit und Ausblick

Große Familienunternehmen bevorzugen derzeit (noch) die Bilanzierung nach HGB. In dieser Hinsicht wurde das Ziel des BilMoG erreicht: Durch die große Reform des HGB sollte durch die Annäherung an die internationale Rechnungslegung eine kostengünstige Alternative geschaffen werden.
Es bleibt abzuwarten, ob in der Zukunft auch für nicht-kapitalmarktorientierte Unternehmen die Anwendung des IFRS-SME verpflichtend werden wird. Hierzu sollte eine Kosten-Nutzen-Abwägung erfolgen, um die betroffenen Unternehmen nicht unnötig mit weiteren Vorschriften zu belasten.

*Müller/Hillebrand: Verbreitung der IFRS bei großen Familienunternehmen – Warum kommt die Umstellung von HGB auf IFRS nur zögerlich voran?, Kapitalmarktorientierte Rechnungslegung 2014, Seite 257-268

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