PROKON-Dilemma: Was ist sind eigentlich Genussrechte?

Die finanzielle Schieflage des Windpark-Betreibers PROKON wird derzeit kontrovers diskutiert.* Einige erinnern sich sicherlich an die Plakate, in denen Prokon mit bis zu 8 % Verzinsung geworben hat. Zahlreiche Anleger hat dies offensichtlich überzeugt und sie haben in Genussrechte investiert.
Genussrechte sind eine Art Mezzanine-Finanzierung. Das bedeutet, dass sie entweder als Eigen- oder als Fremdkapital klassifiziert werden können. Bei einer Klassifizierung als Eigenkapital hängt die Verzinsung für die Anleger demnach von der Höhe des Gewinns ab, was bei einer Klassifizierung als Fremdkapital nicht der Fall ist. Eigenkapitalgeber haben im Regelfall ein Stimmrecht, Fremdkapitalgeber nicht.
Während ein Bankkredit den Cashflow monatlich durch Zins- und Tilgung (Annuität) verringert, wird der Cashflow bei Genussrechten vorerst geschont. Dies ist für junge Wachstumsunternehmen interessant: Sie können dann die erzielten Überschüsse sofort wieder investieren und so schneller wachsen. Außerdem ist die Ausgabe von Genussrechten nicht auf Aktiengesellschaften beschränkt, sondern erstreckt sich auf alle Rechtsformen.
Inhaber von Genussrechten können maximal ihre Einlage verlieren, was jedoch im Einzelfall bereits von erheblicher Höhe sein kann. Die Vergütung für Genussrechteinhaber kann sehr flexibel gestaltet werden, was ihre Attraktivität für Unternehmen erhöht.
Im Gegensatz zu Aktionären (Ausnahme: stimmrechtslose Vorzugsaktien) haben Inhaber von Genussrechten jedoch kein Stimmrecht in der Gesellschafterversammlung. Ferner haben sie beispielsweise auch kein Bezugsrecht auf junge Aktien wie dies bei Aktionären der Fall ist.
Genussrechteinhaber haben in der Regel keine Möglichkeiten, sich gegen Entscheidungen bzw. Handlungen des Unternehmens zu wehren. Die einzige Möglichkeit ist der Abzug des Kapitals. Für ihr „Schweigen“ erhalten sie jedoch zumeist eine höhere Verzinsung als Aktionäre. In Geschäftsjahren mit Verlusten ist es auch möglich, dass Aktionäre keine Dividende erhalten.

*Zum Beispiel: Wirtschaftswoche vom 13.01.2013, Seite 90f. sowie Süddeutsche Zeitung vom 14. Januar 2014, Seite 26

Quelle: Lühn, Genussrechte: Grundlagen, Einsatzmöglichkeiten, Bilanzierung und Besteuerung, Wiesbaden 2013

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