Hieressen oder Mitnehmen? Neues zur Mehrwertsteuer bei Speisen und Getränken

Schon seit geraumer Zeit befinden sich die Gelehrten darüber im Streit, wann die Abgabe von Speisen und Getränken mit 7 % und wann mit 19 % MwSt abgerechnet werden muss. Nun veröffentlichte die Finanzverwaltung neue Anwendungsregeln, welche künftig mehr Klarheit bringen dürften.

Streitthema Steuersatz

Egal ob Currywurstbude, Dönerimbiss, Partyservice – eine Vielzahl von Gastronomen musste zuletzt darüber (ver)zweifeln, wie sie ihre Umsätze mit MwSt zu belegen haben. Nach langer Wartezeit hat die Finanzverwaltung nun neue Anwendungsregeln (Link) veröffentlicht. Diese können bereits rückwirkend seit Mitte 2011 angewendet werden.

Abgrenzung bei Imbiss und Restaurant

In Bezug auf Imbiss und Restaurant lassen sich die neuen Regelungen wie folgt zusammenfassen:

  • Getränke immer 19 % (außer Leitungswasser + bestimmte Milchgetränke)
  • Alle Arten von Speisen „to go“ immer 7 %
  • Speisen zum Verzehr vor Ort 19 %, sofern der Kunde im Sitzen essen kann
  • Bei Stehimbissen kann unter bestimmten Voraussetzungen auch die Abgabe zum Verzehr vor Ort mit 7 % besteuert werden. Bestimmte Dienstleitungen neben der reinen Abgabe der Nahrungsmittel sind für die 7 %-Besteuerung schädlich und können im Einzelfall zur 19 %-Besteuerung führen (z.B. Beigabe von Mehrweggeschirr und -besteck, Vorhalten eines Gastraums und Toilette).

Abgrenzung bei Catering und Partyservice

Komplexer ist die Abgrenzung im Bereich Catering und Partyservice:

  • Bloße Speisenlieferung immer 7 %
  • Unschädliche Zusatzleistungen: Verpackung, Transport, Wärmen/Kühlen u.a.
  • Schädliche Zusatzleistungen: Angebot eines Komplettpakets (Beratung, Gestellung von Personal, Mobiliar, Geschirr und Besteck, Reinigung und Entsorgung). In diesem Fall erfolgt zwingend eine Besteuerung mit 19 %.
  • Werden einzelne schädliche Zusatzleistung erbracht, kommt es auf deren Art und Umfang an, ob mit 7 % oder 19 % besteuert wird.

Werden mehrere schädliche Zusatzleistungen ausgeführt, kann es sich anbieten, das Catering auf mehrere Unternehmen aufzuteilen. Hierfür sollte ein qualifizierter Steuerberater hinzugezogen werden.

Für Rückfragen wenden Sie sich gern an WDTreu@t-online.de

Mehr dazu:

  • Trinks, Umsatzsteuer direkt digital 7/2013, S. 10
  • Rondorf, NWB 2013, S. 1076

Comments

  1. Guten Tag,

    vielen Dank für Ihren Bericht!

    Wie sieht es allerdings aus, wenn vor Ort zubereitete Snacks ausschließlich zum Mitnehmen angeboten werden, aber Sojamilch enthalten?

    Somit würde nur ein Teil der Zutaten (Sojamilch) mit 19% besteuert werden müssen.
    Oder werden ‚Snacks nur zum Mitnehmen‘ allgemein mit 7% besteuert, unabhängig von Zutaten?

    Danke im Voraus!

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